OR.NET ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Verbundprojekt und steht für „sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“. Das ICCAS – von Beginn an Partner in fast allen Teilprojekten – arbeitet seit Anfang des Jahres im Teilprojekt 6 an der Koordinierung des Aufbaus aller Demonstratoren sowie an der Erstellung des Integrationsdemonstrators am Standort Leipzig.

Ca. 20 Partner, darunter Vertreter namhafter Medizintechnikfirmen, Hersteller klinischer Informationstechnologien, Anbieter integrierter Operationssäle sowie Wissenschaftler aus Forschungsinstituten, sind am Teilprojekt 6 beteiligt. Deren Synchronisierung findet regelmäßig in Workshops statt. So auch jenem, der Ende Juli von den Teilprojektleitern Max Rockstroh (ICCAS) und Markus Birkle (UKL Heidelberg) am ICCAS organisiert wurde. Es gab hauseigene Vorträge zum Thema Workflowmanagement und Vorträge der Partner zu den gegenwärtigen Arbeiten an zentralen Komponenten der Open Surgical Communication Platform (OSCP). Zudem wurden die aktualisierten Versionen der Storyboards (Drehbücher) für die Demonstratoren vorgestellt. Die Demonstratoren dienen dazu, die im Gesamtprojekt entwickelten Konzepte und Systeme später in einer realitätsnahen Umgebung anzuwenden.
Der Workshop bot genügend Raum für konstruktive Lösungsvorschläge. Zudem nutzten Teilnehmer die Gelegenheit, den gegenwärtigen Demonstrator-OP des ICCAS in Augenschein zu nehmen.

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Im Herbst letzten Jahres besuchten Mitarbeiter des neuseeländischen National Institute for Health Innovation (NIHI) das ICCAS, um gemeinsame Forschungsinteressen auszuloten. Schon damals meldeten sie ihr Kooperationsinteresse an. Nun folgte der Rückbesuch durch Dr. Kerstin Denecke, die mit reichlich Informationsmaterial über das ICCAS sowie zur Arbeit der Nachwuchsforschungsgruppe Digitales Patienten- und Prozessmodell nach Auckland reiste. Ihre Anlaufpunkte waren das NIHI, an dem Studien für Informationstechnologien im Gesundheitsbereich durchgeführt werden sowie das Department of Computer Science der University of Auckland. Zudem gab es ein erstes Kennenlernen mit dem Bioengineering Institute, das sich ebenfalls mit Patientenmodellierung beschäftigt.

Die Gespräche am NIHI verliefen erfolgreich, denn beide Seiten sehen Vorteile in einer engeren Zusammenarbeit. Während die Leipziger Wissenschaftler bei der methodischen Entwicklung federführend sind, haben die Auckländer Forscher im Bereich Patientenstudien viel zu bieten. Grund dafür ist eine gute Verfügbarkeit über Patientendaten, die über zwei Jahrzehnte gesammelt wurden. So wie am ICCAS ist man auch am National Institut bemüht, standardisierte Anwendungen zu entwickeln, die openEHR nutzen – ein guter Grund, in Verbindung zu bleiben. Weitere Forschungsaufenthalte sind nun in Planung. Das Leipzig – Auckland – Forschungsvorhaben nimmt Gestalt an.

DORS 2014 Wenn am 22. September 2014 die Summerschool des ICCAS für eine Woche ihre Türen öffnet, erwartet die Teilnehmer ein reich gefülltes Programm, das die Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich Informationstechnologie für den digitalen Operationssaal zum Gegenstand hat.

In den Räumlichkeiten des neuen Augusteums sowie der Bibliotheca Albertina werden erfahrene Wissenschaftler aus der Medizin, dem Ingenieurwesen und der Informatik ihre Erfahrungen auf den Gebieten medizinische Bildverarbeitung, Computer Vision und IT-Technologien weitergeben und den Teilnehmern beratend zur Seite stehen. Zudem sprechen Klinikbetreiber über Möglichkeiten der Umsetzung neuer IT-Infrastrukturen in ihren Häusern. In einem praktischen Teil werden die Teilnehmer in die menschliche Physiologie und Anatomie eingeführt. Eine Hospitation im OP soll Arbeitsabläufe und Technologien näher bringen. Im ICCAS Konzept-OP können schließlich neueste Entwicklungen anhand von Prototypen und Simulatoren selbst getestet werden.

Angesprochen sind vor allem junge Wissenschaftler und Doktoranden, die sich den neuen Anforderungen an eine personalisierte Medizin mithilfe anwendbarer technologischer Assistenz stellen und dazu Expertenkenntnisse aus erster Hand erfahren möchten. Aber auch alle anderen Interessenten, die den direkten Austausch innerhalb der wissenschaftlichen Community im Bereich computerassistierte Chirurgie suchen, sind herzlich willkommen.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen können bis einschließlich 31. 08. 2014 erfolgen.
Das ICCAS freut sich auf lehrreiche Tage in Leipzig, in denen auch das gegenseitige Kennenlernen nicht zu kurz kommen soll.

Weitere Informationen sowie das Anmeldeformular zur DORS gibt es unter www.iccas.de/dors.

Flyer zur DORS

Informationsverarbeitung und Wissensmanagement sind wichtige Arbeitsgebiete, mit denen sich das Forschungsfeld DPM beschäftigt. Teil davon ist die Sentiment Analyse von klinischen Texten – das Spezialgebiet von Yihan Deng. Über die aktuellen Forschungsergebnisse zu dieser eher ungewöhnlichen Methode der Informationswiedergewinnung im medizinischen Bereich berichtete der Informatiker auf der diesjährigen International ACM SIGIR Conference in Gold Coast (Australien). Zu den Teilnehmern der Veranstaltung zählte auch DPM-Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Kerstin Denecke, die – wie der Arzt Matthäus Stöhr – in die Untersuchungen involviert ist. Die Wissenschaftler beweisen, dass Patientenakten alles andere als objektive Datenansammlungen sind. Sie beinhalten vielmehr wichtige Beobachtungen und Bewertungen des klinischen Personals zur aktuellen Gesundheitslage der Patienten, woraus sich Hinweise für weitere Therapiemaßnahmen ableiten lassen. Die Sentiment Analyse kann somit wichtige Auskünfte für das digitale Patientenmodell liefern, die sonst in Patientenakten verborgen blieben.

Die von der Association for Computing Machinery (ACM) und der Special Interest Group on Information Retrieval (SIGIR) organisierte Konferenz ist eine der wichtigsten Veranstaltungen zur Thematik „Informationswiedergewinnung“. Hier finden Wissenschaftler zusammen, die sich mit der Erkennung, Organisation, Speicherung, Rückgewinnung und Distribution von Informationen in öffentlichen und privaten Bereichen beschäftigen.

Dr.-Ing. Stefan Bohn 17. Juli 2014

Wenn jemand weiß, wie die Forschung am ICCAS ins Rollen kam, dann Dr. Stefan Bohn. Der sympathische Wissenschaftler war einer der ersten Mitarbeiter im Gründungsjahr des Innovationszentrums. Nun, nach fast neunjähriger Tätigkeit, verlässt er seinen Arbeitsplatz in der Semmelweisstraße, um zu anderen Ufern aufzubrechen. Schweren Herzens lässt ihn das ICCAS ziehen, denn mit ihm verliert es einen zuverlässigen, engagierten und sehr schöpferischen Mitarbeiter.

Stefan Bohn brachte schon im Jahr 2005 mit dem Master für Biomedizinische Technik wichtige Kenntnisse in der Entwicklung von medizintechnischen Systemen in das ICCAS ein. Von Beginn an arbeitete er an der Konzeptionierung und Umsetzung einer Architektur zur hersteller-übergreifenden Integration von Medizingeräten, klinischen IT-Systemen und chirurgischen Assistenzsystemen. Dieser Aufgabenbereich schloss auch die Doktorarbeit mit ein, die er 2013 erfolgreich an der Universität Leipzig verteidigte. Das dabei entstandene Gesamtsystem kommt bereits Medizinern und Patienten im Universitätsklinikum Leipzig zugute. Lösungsstrategien des Ingenieurs finden sich auch im BMBF-geförderten Verbundprojekt OR.NET wieder. Zudem war Dr. Bohn an der Konzeptionierung und dem Aufbau des ICCAS-Demonstrator-OPs beteiligt, welcher heute der präklinischen Erprobung neuer Technologien dient. Zuletzt arbeitete er im Forschungsfeld Modellbasierte Automation und Integration an der Fertigstellung des klinischen Informationssystems oncoflow, welches in diesem Jahr einen Innovationspreis erhielt. Neben der Leitung wissenschaftlicher und klinischer Projekte war Stefan Bohn auch in der Lehre tätig und engagierte sich für das ICCAS auf vielen internen und öffentlichen Veranstaltungen.

Neun Jahre gute Zusammenarbeit, tatkräftiger Einsatz und herausragende wissenschaftliche Erfolge werden schwer zu ersetzen sein. Das Team des ICCAS dankt dem langjährigen Kollegen für seinen Eifer und die Einsatzbereitschaft zum Wohle des Instituts und aller seiner Mitstreiter und wünscht ihm für den zukünftigen Lebensweg alles erdenklich Gute sowie weiterhin eine feine Spürnase für medizinisch technische Innovationen, denn Dr. Bohn bleibt auch an neuer Wirkungsstätte der Medizintechnikbranche treu.

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