inselspital22. Oktober 2014

Erst kürzlich beendete Dr. med. Patrick Dubach vom Inselspital Bern seine gastwissenschaftliche Tätigkeit am ICCAS. Nun bereitete er Bernhard Glaser aus der Forschungsgruppe MAI bei seinem vierwöchigen Studienaufenthalt im Inselspital und am ARTORG Center for Biomedical Engineering Research der Universität Bern einen herzlichen Empfang.

Glaser führte im Inselspital eine Studienreihe im Rahmen seines neu entwickelten Trainingssystems für instrumentierende Personen im Operationssaal durch. Der so genannte „Nosco Trainer“ wurde von OP-Mitarbeitern des dortigen HNO-Bereiches getestet und anschließend im Rahmen einer Multi-Zentren-Studie beurteilt. Das Feedback der Probanden war durchweg positiv. Demnach besteht bei der Ausbildung von OP-Personal in der Schweiz durchaus Bedarf an einem solchen Trainingssystem. Am ARTORG Center bekam Glaser Einblicke in die Arbeit der Forschungsgruppe „Image Guided Surgery“.

Die Aufgeschlossenheit der Schweizer Kollegen gegenüber dem Projekt lässt auf weitere Zusammenarbeiten hoffen. Eine Veröffentlichung der aktuellen Studienergebnisse ist bereits in Arbeit.

Seit 1. September 2014 ist Prof. Dr. Andreas Melzer geschäftsführender Direktor des Innovation Center Computer Assisted Surgery. Er wurde auf die Professur für computergestützte Chirurgie berufen. Mit Professor Melzer gewinnt das ICCAS einen renommierten und erfahrenen Wissenschaftler in der Entwicklung von Medizintechnik und Robotik für die Bereiche Chirurgie, Radiologie und bildgesteuerte Verfahren.

Professor Melzer studierte Zahnmedizin und Medizin in Mainz und Tübingen. Die Approbation als Zahnarzt erhielt er 1989, als Arzt 1993. Während seiner beruflichen Laufbahn im klinischen und wissenschaftlichen Bereich sammelte er weit reichende Erfahrungen in der Entwicklung medizinischer Technologien und chirurgischer Instrumente. Spezialgebiete des vielseitigen Forschers sind die interventionelle Radiologie und Magnetresonanztherapie, bildgestützte Robotertechnik sowie die Weiterentwicklung medizinischer Nitinol-Objekte. Mehr als 100 Patente und über 300 Publikationen fußen auf seinem Erfindergeist. Er ist Mitbegründer mehrerer Start-up Unternehmen aus dem Medizintechnikbereich und berät wichtige Firmen in dieser Branche. Zudem organisiert und leitet er internationale medizinische Konferenzen.
Prof. Melzer ist der Gründungsdirektor des Instituts für Medical Science and Technology (IMSaT) der Universitäten Dundee und St. Andrews, Schottland. Seit 2006 hat er dort den Lehrstuhl für Medizintechnik inne und leitet die Forschungsarbeiten zur MR-geführten Untersuchung und Therapie. Am ICCAS wird er sich mit dem Forschungsfeld Magnetresonanz-geführter fokussierter Ultraschall (MRgFUS) beschäftigen. Dabei handelt es sich um ein neues Verfahren, das beispielhaft die Verwirklichung einer computergestützten bildgesteuerten Diagnose und Therapie ermöglicht.

Logo DGBMT 201414. Oktober 2014

Zur 48. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT im VDE) steuerten mehrere Mitarbeiter des ICCAS interessante Programmbeiträge bei.

Dr. Kerstin Denecke (DPM) sprach in einem begeistert aufgenommenen Vortrag über Apps-Entwicklungen zur Unterstützung der mobilen Gesundheitsversorgung. Damit einhergehende regulatorische Anforderungen sind für die Arbeit am Digitalen Patientenmodell bedeutend, da Anwendungen später auch auf Tablets o.ä. bereitgestellt werden sollen.
Jens Meier (MAI) referierte über das Vorgehen zur Standardisierung des Arbeitsablaufes der onkologischen Anamnese in der HNO-Abteilung des UKL und stellte zugehörige Studienergebnisse vor. Diese weisen eine signifikant höhere Informationsdichte und -qualität in der neuen elektronischen Patientenakte nach.
Marianne Maktabi (MAI) trug in einer CURAC-Sondersitzung ihre Forschungsergebnisse zu Konzepten und Anforderungen eines klinikweiten Kontrollzentrums für Operationsräume vor. Für sie war die Thematik der Vernetzung des Krankenhauses ein wesentlicher Diskussionspunkt.
Dr. Claire Chalopin (DPM) ging in ihrer Posterpräsentation auf die Entwicklung eines Tools ein, mit dessen Hilfe der Neurochirurg durch die Differenzierung von Gefäßsegmenten mögliche Tumorreste erkennt. Das System basiert auf Ultraschalldaten, die während der OP gewonnenen werden.
Der Posterbeitrag von Max Rockstroh (MAI) handelte von der automatischen Erfassung der Nutzungsinformationen verschiedener Medizingeräte (z.B. Navigation, Mikroskop, Ultraschall) über Videosignale. Der Nutzer muss dafür weder in die Geräte, noch in den OP-Vorgang eingreifen.

Die im Kongresscenter Hannover stattgefundene Konferenz wandte sich in diesem Jahr vor allem dem zunehmend komplexen Umfeld von Biomedizinischer Technik zu, unter verstärktem Einbezug klinischer Themen. Neben dem Knüpfen und Festigen von Kontakten, ermöglichte das breite Themenspektrum lehrreiche Blicke über die eigenen Forschungsgrenzen hinaus.

philipp_liebmann01. Oktober 2014

Für Philipp Liebmann begann die berufliche Tätigkeit am ICCAS im August 2007 mit der Aufnahme des Projektes „Softwareschnittstellen für modulare modellbasierte chirurgische Assistenzsysteme“. Darin beschäftigte sich der Informatiker (MSc) mit Erweiterungen des DICOM-Standards im Teilbereich der Standardisierungen für die Chirurgie. Unter Anleitung von Prof. Heinz U. Lemke arbeitete er seit 2011 im Forschungsfeld „Standards“ (STD) an der Weiterentwicklung von Standardisierungen für das klinische Umfeld. Zu den Erfolgen der STD-Gruppe, an denen Liebmann maßgeblich beteiligt war, gehört die Gründung einer „Integrating the Healthcare Enterprise (IHE) – Domäne für den Bereich der Chirurgie. Diese gilt als Voraussetzung für die einheitliche Verwendung etablierter Standards zur Verbesserung des elektronischen Datenaustausches zwischen IT-Systemen im Gesundheitswesen. Es folgten neue IHE-Profile für die Chirurgie. Über Konferenzbeiträge und seine Tätigkeit als Sekretär der DICOM-Working Group 24 sorgte Liebmann für die internationale Präsenz der ICCAS-Projekte.

Philipp Liebmann verabschiedete sich zum 30. September aus dem ICCAS-Team, bevor die Forschungsinitiativen der Nachwuchsgruppe Standards am Ende des Jahres auslaufen. Sein zukünftiger Arbeitsplatz befindet sich in einem führenden Unternehmen für High-End Monitorlösungen im Anwendungsbereich medizinische Bildgebung. Das ICCAS bedankt sich bei dem langjährigen Mitarbeiter für seine Einsatzbereitschaft und wünscht ihm für den weiteren Lebensweg alles Gute!

DORS Plakat30. September 2014

Vergangenen Freitag verabschiedete Prof. Thomas Neumuth die Teilnehmer der ersten Digital Operating Room Summerschool (DORS) des ICCAS. Die lehrreiche Woche mit informativen Sessions, Vor-Ort-Begehungen sowie anwendungsnahen Workshops hinterließ bei den internationalen Gästen ein begeistertes Echo. Aufschlussreiche Vorträge, Lernen auf Augenhöhe mit den Experten, viel Raum zur praktischen Übung und individuelle Betreuung machen u.a. die positive Bilanz der ersten DORS aus.

Die Inhalte der Vorlesungen waren breit gefächert. Dafür konnte das ICCAS renommierte Experten aus den Bereichen Entwickeln, Anwenden und Betreiben innovativer Informationstechnologien für den digitalen Operationssaal gewinnen. In weiteren Sessions wurden die Forschungslandschaft des ICCAS vorgestellt und ausgewählte Projekte näher beleuchtet. Von der praktischen Umsetzung der Innovationen in der computerassistierten Chirurgie konnten sich die Gäste während OP-Besichtigungen in der Neurochirurgie des UKL sowie im IRDC ein Bild machen. Im Institut für Anatomie erläuterte Prof. Ingo Bechmann eindrucksvoll die Bauteile des menschlichen Körpers.

Schließlich durften die Gäste in medizintechnischen Workshops am ICCAS selbst Hand anlegen. Im Demo-OP wurde unter Navigation, mikroskopisch genau an Phantomschädeln und Wirbelkörpern gefräst. Auch die Weichteilnavigation mit Ultraschall konnte ausprobiert werden. Am Rechner fanden Übungen zum Workflowmanagement statt. Bis in die Abende hinein wurde gemeinsam geübt und dazugelernt. Das schweißte zusammen.

Am Ende bestätigten die Teilnehmer eine hohe Relevanz der DORS-Inhalte hinsichtlich ihrer eigenen Forschungsarbeiten. Für das nächste Mal wünschen sie sich eine Disziplinen übergreifende Diskussionsrunde. – Ein interessanter Vorschlag, der vielversprechend klingt – so vielversprechend wie der sehr gute Auftakt der DORS 2014.