Modellbasierte Medizin und intelligenter Operationssaal
Prof. Dr. Thomas Neumuth
Mobilfunknetze der aktuellen Generation (5G) sind faktisch und regulatorisch Teil der Kritischen Infrastruktur. Mit 6G eröffnen sich neue Anwendungsfelder in Energie, Verkehr oder Gesundheit, wodurch die Kritikalität des Mobilfunksystems steigt.
Im Projekt wird der medizinische Bereich als besonders relevanter Anwendungsfall betrachtet. Ziel ist es, medizinische Anwendungen, die auf Mobilfunk basieren, resilienter zu gestalten und damit die Versorgungssicherheit im Krisenfall zu erhöhen. Dazu werden Konzepte für 6G-Campusnetze entwickelt, die bei Ausfall öffentlicher Netze lokalen Inselbetrieb erlauben oder umgekehrt kritische Anwendungen in öffentliche Netze und Clouds auslagern.
So wird sowohl die Resilienz des Mobilfunksystems als auch die Ende-zu-Ende-Resilienz aus Anwendungssicht gesteigert. Im medizinischen Bereich werden mindestens zwei Use Cases erprobt, um übertragbare Blaupausen für andere Kritische Infrastrukturen zu schaffen. Die Schwerpunkte des ICCAS liegen in der Adressierung der besonderen Anforderungen der Medizintechnik. Hier wird gezielt untersucht, wie sich zukunftsfähige Resilienzkonzepte in vernetzte Gesundheitssysteme integrieren lassen, um deren Verwundbarkeit zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Dazu werden medizinische, organisatorische und technische Use Cases mit hoher Relevanz für klinische Abläufe erfasst und analysiert.
Die Konzepte werden im Health-Communication-Lab (HeCoLa) in einem kliniknahen Setting erprobt. Die Laborumgebung wird hierfür durch das öffentliche 5G-Netz sowie durch die von den Partnern entwickelten Resilienz-Demonstratoren erweitert. Ein Augenmerk liegt auf der interoperablen Systemintegration: KIS und mobile Endgeräte sollen nahtlos miteinander kommunizieren, wobei auf etablierte Standards wie HL7, FHIR und DICOM gesetzt wird. Ergänzend erarbeitet das ICCAS ein Validierungskonzept, das sowohl technische Kriterien als auch funktionale Testszenarien im klinischen Nutzungskontext berücksichtigt.
Das Projekt wird durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik als assoziierten Partner begleitet.

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